09.04.09

Süddeutsche Zeitung


Freitag 27.03.2009

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Neuer Ausstellungsraum für zeitgenössische Werke

Galerie in inspirierendem Ambiente


Der Maler Klaus Grape schafft in ehemaliger Remise einer Brauerei den "Kunstraum Wolfratshausen"

 

Wolfratshausen - Die ehemalige Remise einer Brauerei hat es Klaus Grape angetan: Kutschengroße, gesprosste Rundbogentüren, ein 150 Quadratmeter umfassenden hoher Raum, Licht von Norden, schlichter Holzfußboden und weiße Wände, die Strukturen von Mauerwerk zulassen. Kaum ein Raum in Wolfratshausen ist so geeignet für eine Galerie wie dieser im Humplgassl.

Das hat Klaus Grape erkannt, er hat den Raum gemietet und eröffnet heute seinen „Kunstraum Wolfratshausen" mit einer Ausstellung. Aufgeräumt und voller Tatendrang wirkt der vielseitige 51-Jährige, der sich vor fünf Jahren dazu entschloss, seine „Passion zum Beruf, zu machen". Und das ist malen. Dabei kleckert er nicht, sondern klotzt bei seinen Bildern: Sand, Kiesel, dicke Lagen von Acrylfarbe oder flirrende bis schrille Farbpigmente, Bindemittel, Silber, Gold und Glassplitter und sogar Swarovski-Perlen.

Es gelingt kaum, sich wie erschlagen von diesen dekorativen Mittel- und Großformaten in Yves-Klein-Blau, Puderrot, Neongrün aber auch Elfenbein und Erdtönen abzuwenden. Denn da ist eben unheimlich viel los. Und der Betrachter sucht und entdeckt auf Anhieb, was Klaus Grape erreichen wollte: Interpretationen-von Landschaften, Feuer, Wasser, Erde, Himmel und Skylines von Großstädten.

Doch der Maler kann auch anders - nämlich experimentelle, technisch ausgefeilte, abstrakte Aquarelle jenseits der üblichen Blümchen und Türmchen schaffen sowie Acrylbilder, die auch ohne Gebirge von Steinen plastisch und dynamisch wirken. Uber sei- 1 ne Malerei sagt er: „Ich liebe Experimente." Die möchte der Maler in Workshops und einer Malschule anderen vermitteln. Sechs unterschiedliche Kurse mit Acryl und Aquarell aber auch Zeichnen und ein Kurs mit der Quilt-Künstlerin Maria Reuter sind im Angebot. Sind genügend Anmeldungen da, kann's sofort losgehen. „Die Leute sollen aus sich rausgehen", . wünscht sich Grape. Nicht die eigenen Arbeiten stehen bei seinen Bilderschauen im Kunstraum im Mittelpunkt - die zeigt er nur zur Eröffnung, wie er sagt. „Ich möchte mindestens zwölf Ausstellungen im Jahr mit Malern, Bildhauern und Installations-Künstlern aus der ganzen Region organisieren." Damit es spannend bleibe. Auf ein genaues Konzept der Präsentationsreihen will er sich nicht festlegen. Fest stehe aber, dass es experimentelle, zeitgenössische Kunst sein soll. Grape Starke Farben in einem inspirierenden Raum: Klaus Grape will in seiner neuen Galerie Ausstellungen und Malkurse bieten.

Der Münchner, der sich vor einigen Jahren in Wolfratshausen niederließ - wird in dem ansprechenden und inspirierenden Raum auch sein Atelier einrichten. Seit Grape denken kann, malt er. Als Gymnasiast ist er angeeckt mit seinen Themen im Kunstunterricht und wurde nach eigenen Angaben deshalb des Instituts verwiesen. Darüber kann er heute nur noch lachen. Denn was heute entsteht, damit würde er in der Schule bestimmt keine Probleme bekommen. Die frechen Materialbilder sind bei Institutionen wie dem Bayerischen Rundfunk oder Banken gefragt: „Ich verkaufe ganz gut", sagt er. Dass er heute so unverblümt experimentiert, war nicht immer so: „Niemand kann in die Abstraktion gehen, der nicht zeichnen und figurativ malen gelernt hat", sagt er. Bei ihm habe sich der derzeit gepflegte experimentelle Stil ganz langsam entwickelt. Seinen überbordenden Schaffensdrang kanalisiere er, indem er gleichzeitig an mehreren Bildern arbeite. Klaus Grape war Architekt und lebte nach dem Studium sieben Jahre in Südafrika. Das Licht, die Farben, Erde und Steine, die Weite und Schönheit des Landes lassen ihn nicht mehr los. Den Eindrücken spürt er mit seinen Experimenten nach, wie er sagt.


BARBARA SZYMANSKI
Eröffnung „Kunstraum Wolf-ratshausen", Humplgassl 1, heute, 19 Uhr. Ausstellung „Kosmos und Empathie" von Klaus Grape - bis Ende April.

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